A 100 unter dem Ostkreuz
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- Zuletzt aktualisiert am Samstag, 07. April 2012 13:51
Nach den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Grünen die schon früh an den "Meinungsunterschieden" zum Weiterbau der Stadtautobahn A 100 scheiterten, einigten sich nun SPD und CDU auf die Fortsetzung der Autobahn bis zur Elsenbrücke. Damit wird wohl eine Blechlawine direkt auf meinen Heimat-Stadtbezirk Friedrichshain zurollen. Der anschließende Weiterbau bis zur Frankfurter Allee, der in der Logik der Autobahnplaner zwingend folgen muss, steht aber noch völlig in den Sternen..
Berlins Grüne zogen mit einer klaren Absage an den Weiterbau der A 100 in den Wahlkampf. In den Koalitionsverhandlungen blieb der alte und neue Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit unnachgiebig für die Fortführung der Autobahntrasse, obwohl die SPD auch nicht geschlossen hinter dem Projekt steht.
Zur Erinnerung: 2009 hatte sich noch eine knappe Mehrheit der sozialdemokratischen Parteibasis gegen den Weiterbau ausgesprochen, erst eine zweite Abstimmung brachte ein Jahr später das vom Parteivorstand gewünschte Ergebnis.
Es folgten einige Parteiaustritte. Der rot-rote Senat legte anschließend den Baubeginn bis zum Ende der Wahlperiode auf Eis. Mit den Grünen und der SPD ist es bekanntlich nach der Wahl nichts geworden. Mit SPD und CDU wird's nun "besser" - jedenfalls für die Autobahn.
Der jetzt beschlossene Bau des 16. Abschnitts vom Dreieck Neukölln bis zur Elsenbrücke ist 3,2 Kilometer lang und kostet 420 Millionen Euro. Er gilt damit als Deutschlands teuerstes Autobahnstück. (Stuttgart 21 lässt grüßen!) Eine Entlastung der Stadtstraßen bringt der Neubau wohl nicht. Besonders Friedrichshain beschert es hingegen eine zusätzliche Autoflut: 12800 zusätzliche Fahrzeuge werden pro Tag auf die ohnehin schon staugeplagte Elsenbrücke gelenkt. Im Anschluss steigen die Belastungen des Markgrafendamms um 3900, der Kynaststraße um 2300 und der Stralauer Allee um 2700 Fahrzeuge. Die Warschauer Straße muss noch 2600 zusätzliche Autos pro Tag aufnehmen und über die Modersohnbrücke fahren täglich 3200 mehr als heute durch die Wohngebiete. Diese Zahlen hat die Bürgerinitiative Stadtring Süd (
BISS) aus den Planfeststellungsunterlagen herausgefiltert.
Auch in der Sicht der Verkehrsplaner tritt der gewünschte Entlastungseffekt in den Seitenstraßen erst ein, wenn nach dem 16. auch der 17. Bauabschnitt fertiggestellt ist. Dieser Abschnitt soll von der Elsenbrücke weiter bis zur Frankfurter Allee führen.
Nach der Überquerung der Spree wird die Autobahn zwischen Markgrafendamm und Ringbahn nach Norden verlaufen. Dazu müssen Wohnhäuser am Markgrafendamm und das denkmalgeschützte ehemalige Osthafen-Kraftwerk, das zwischenzeitlich das "Neue Deutschland" beherbergte, abgerissen werden. Vor dem Ostkreuz soll die Autobahn in einen Tunnel geleitet werden. Bevor die Trasse in Höhe des Wiesenweges auf die Lichtenberger Seite der Ringbahn verschwenkt und im Bereich Kietzer Weg/Wartenbergstraße wieder an der Oberfläche auftaucht, müssen an der Gürtelstraße weitere Wohnhäuser abgerissen werden. Anschließend würde die Autobahn zwischen der Ringbahn und der Wohnbebauung der Wilhelm-Guddorf-Straße einen Grünzug unter sich begraben, bevor sie in Hochlage an der Kreuzung Frankfurter Allee/Gürtelstraße endet.
Dieser 17. Bauabschnitt steht zwar im Bundesverkehrswegeplan, genauere Planungen gibt es jedoch noch nicht.
Es existiert weder ein Zeitplan noch eine Finanzierung. Klar ist aber, dass der 17. Abschnitt wegen seiner komplizierten Verkehrsführung und des aufwändigen Tunnelbaus nochmal deutlich teurer werden dürfte als der vorherige.
Neben den außerordentlich hohen Kosten könnte auch die Klage des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg den Bau noch stoppen. Zusammen mit dem" Bund für Umwelt und Naturschutz" und Anwohnern hat der Bezirk beim Bundesverwaltungsgericht gegen den Planfeststellungsbeschluss für den 16. Bauabschnitt geklagt. Bemängelt wird vor allem, dass in der Abwägung unzureichend auf Einwände eingegangen wurde.
In einer der früheren Planungen sollte die Trasse nach Unterquerung des Ostkreuzes als Hochstraße an meinem Wohnzimmerfenster vorbeiführen. Sie können sich vorstellen, dass ich jetzt nicht gerade zu den Beführwortern dieses Projektes gezählt werden kann. Zwar bin ich auch kein Befürworter des sogenannten Nimby-Effektes (Not in my backyard/Nicht in meinem Garten), auch bekannt als Sankt-Florians-Prinzip. Bürger, die direkt von einem Bauprojekt betroffen sind, etwa von Windkraftanlagen, Stromleitungen oder einem Autobahnabschnitt, reagieren als erste, weil sie ihre Lebensqualität bedroht sehen. Aber bisher konnte mich niemand von der Sinnfälligkeit des Einsatzes immenser Steuermittel überzeugen. Ich habe da so einen Verdacht, aber über den schreibe ich hier (vorerst) lieber nicht.




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